Wenn irgendwo die Erde bebt….

Hauptstraße 8 in Berggießhübel. Nur ein schlichtes Schild neben dem Eingang des Hauses in zweiter Reihe verweist darauf, dass hier die Welt bewegendes dokumentiert wird: Seismologisches Observatorium Berggießhübel. Das ist das Reich von Reinhard Mittag. Und es ist das Ziel unseres Senioren-Treffs im Mai. Das Seismologische Observatorium in der kleinen Stadt im Osterzgebirge wurde 1957 durch die Bergakademie Freiberg gegründet. Seit 1966 werden hier  kontinuierlich Bewegungen der IMAG0471Erde registriert, erzählt Stationsleiter Reinhard Mittag. Zeugnisse der Anfangsjahre auf Papierstreifen hat er an eine Wand gepinnt. Daneben und gegenüber Karten mit vielen Punkten, mal dicht mal locker. Das alles sind Zentren für Erdbewegungen auf der ganzen Welt. Das stärkste Beben, das hier registriert wurde, war eines in Chile. Seit 1994 gehört Berggießhübel zum Geo-Forschungszentrum der TU Freiberg.

Was auf den Bildschirmen als farbiger Nadelausschlag zu sehen ist, hat seinen Ursprung 36 Meter weit im Berg. Im ehemaligen Hildebrand-Stollen steht das Schaustück, ein steinernes Pendel. Bewegt sich die Erde zeichnet die Nadel Spuren im Sand darunter. Solche Pendel, so Reinhard Mittag, wurden schon vor 200 Jahren in Italien zur Erdbebenregistrierung eingesetzt. Heute genügt das Pendel natürlich nicht mehr den Ansprüchen. In den 1960er Jahren stand ein russischer Seismograf im Stollen. Seit 1993 werden alle Erdbewegungen digital aufgezeichnet.

Wieder „aufgetaucht“ beantwortet Reinhard Mittag geduldig alle Fragen. Voraussagen kann man von Berggießhübel aus keine Erdbeben. Doch die kontinuierliche Aufzeichnung ist ein Puzzleteil in der weltumspannenden Forschung und dient mit 15 weiteren Stationen in Deutschland der seismografischen Überwachung Zentraleuropas. Neben über 2000 Erdbeben aus allen Gebieten der Erde werden auch Mikrobeben, Bergschläge und Explosionen bis zu einer Entfernung von 500 Kilometern aufgezeichnet. Insgesamt werden so jährlich über 10 000 Ereignisse ausgewertet.

Unser Fazit: Es war wieder einmal ein informativer Vormittag mit einem spannenden Thema und einem interessanten Gesprächspartner. Beim Mittagessen im Restaurant „Sächsisches Haus“ gab es demnach viel zu reden.

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Über cosel10

Journalistin für Printmedien; Mitglied im DJV Landesverband Sachsen e.V. Jahrzehntelang war schreiben für Tageszeitungen mein Beruf. Inzwischen tue ich das ohne Zeitdruck und vor allem in Bereich Kultur und Erlebnis.
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